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Geliebter vom fahrenden Volk (Novelle)

Wer Klischees erwartet, wird hier enttäuscht werden ...



KLAPPENTEXT:

Durch dramatische Umstände kommt die Landschaftsgärtnerin Vivienne zu einem Gast aus einer anderen Zeit. Dieser stellt sich als John Faa, der Anführer des fahrenden Volkes heraus.
In Maybole wird seit Jahrhunderten von einer alten Sage erzählt über eine verbotene Liebe, die tragisch endete. Handelt es sich dabei um mehr als einen Mythos? 
Während Vivienne dieser Frage nachgeht, muss sie sich mit Sabotage herumschlagen, deren Opfer die Firma ihres Vaters ist. Zudem fühlt sie sich zu dem attraktiven Zeitreisenden immer stärker hingezogen.

LESEPROBE:

In der Nähe von Maybole, Schottland
Drohend ragten die knorrigen, dürren Hexenfingern ähnelnden Äste des Galgenbaumes in den sturmgrauen Himmel. Die Sonne verbarg sich hinter diffusen Wolkengebilden. Vivienne Darkmoor konnte sich nicht erinnern, jemals an einem dermaßen unheimlichen Ort gearbeitet zu haben.
Als Landschaftsgärtnerin liebte sie Bäume, doch diesen hier würde sie, wenn es nach ihr ginge, abholzen lassen, solch eine bedrohliche Ausstrahlung besaß er. Dabei handelte es sich nur um einen Ableger jenes Ahorns, an dem vor langer Zeit die Männer des fahrenden Volkes grausam zu Tode gekommen waren. Der alte Baum war zerstört worden bei einem heftigen Unwetter vor über siebzig Jahren.
Das von einer tragischen Legende umrankte Cassillis House befand sich in der Nähe des Rivers Doon an den Ausläufern des finstren Dalrymple Woods. Eigentlich wäre es eine wunderschöne Gegend … Doch erschien es Vivienne, als haftete diesem Ort seine grausige Vergangenheit noch immer an.
Sie schüttelte das Gefühl dumpfer Vorahnung ab und ging wieder an die Arbeit. Da ihre Kollegin erkrankt war, musste sie Überstunden machen. Glücklicherweise schienen sich die Wolken langsam zu lichten, denn ein Regen käme jetzt äußerst ungünstig für sie. Bereits seit den frühen Morgenstunden arbeitete Vivienne hier und ein Ende war noch nicht in Sicht, da sonst die termingerechte Durchführung des Auftrags gefährdet war. Es hatte durchaus Nachteile, in der Firma des eigenen Vaters angestellt zu sein. Seit dem Tod ihrer Mutter vor vier Jahren hatte er sich in der Arbeit vergraben.
Vivienne machte eine kurze Pause. Sie trank Orangensaft, während sie auf die Wasserfluten des River Doon hinaussah. Sie konnte das Gefühl nicht abschütteln, beobachtet zu werden, obwohl sie bis auf den Verwalter heute Morgen hier keine Menschenseele gesehen hatte. Die Eigentümerin befand sich, wie so häufig, auf einer Geschäftsreise.
Bisher war es einigermaßen hell gewesen, doch jetzt setzte die Dämmerung ein und mit ihr kamen die Schatten und das Flüstern in den Zweigen. Sonst war sie doch auch nicht schreckhaft, aber hier war es tatsächlich sehr unheimlich. Man sagte, an diesem Ort würde es spuken, aber mit ihren vierundzwanzig Jahren ließ Vivienne sich von Schaudermärchen natürlich schon lange nicht mehr schrecken. Sie schraubte den Verschluss des Tetrapaks wieder zu und ließ ihn dort stehen. Sie würde noch so lange arbeiten, wie sie genügend sah, und dann ihre Sachen zusammenpacken.
Als Vivienne in den Garten zurücklief, stand plötzlich eine alte, grauhaarige Frau in einem altertümlichen Gewand vor ihr. Sie hatte sie weder kommen sehen noch gehört. Im ersten Moment war sie erschrocken. Diese Frau hatte sie niemals zuvor erblickt. Was wollte sie von ihr?
»Ihr müsst gar dringend mit mir kommen.« Die Alte besaß einen eigenartigen Dialekt. Überhaupt klang ihre Sprache merkwürdig und altmodisch. Die stechenden, dunklen Augen der Frau schienen bis in die Tiefen ihrer Seele blicken zu können.
»Wer sind Sie und was machen Sie hier überhaupt? Sie wissen aber schon, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt?«, fragte Vivienne.
»Ich habe nicht vor, hier zu verweilen. Kommt mit mir, junge Maid!«
»Ich muss noch arbeiten. Sehen Sie das denn nicht?«
»Dies hier ist dringlicher. Eilt sogleich mit mir!« Sie griff nach Vivienne. Instinktiv wollte sie vor ihr zurückweichen, doch es war zu spät. Schon umfasste die Alte ihre Hand. Sie war so überrascht, dass sie anfangs nichts dagegen tat und sich ein Stück weit ziehen ließ. Die alte Frau zeigte eine für ihre dürre Statur erstaunliche Kraft.
Vivienne wurde plötzlich schwindelig. Sie verlor das Gleichgewicht und stürzte zu Boden, bei ihrem Glück natürlich direkt in eine große Pfütze hinein. Wo kam die denn plötzlich her? Zuvor war ihr die gar nicht aufgefallen. Fluchend erhob sie sich. Plötzlich tobte ein Gewitter über ihnen und es war dunkler als zuvor. Regen prasselte auf sie nieder. Wie konnte das Wetter so schnell umschlagen? Selbst für diese Gegend war das ein Rekord. Mühsam rappelte sie sich hoch.
Die alte Frau nutzte den Überraschungseffekt, ergriff Viviennes Arm und zog sie erneut mit sich. »Beeilt Euch!«
»Was zur Hölle wollen Sie von mir?« Vivienne riss sich los. Irritiert blickte sie sich um, als ein Blitz die Szenerie erhellte. Von der Arbeit der vergangenen Tage erkannte sie rein gar nichts mehr. Was ging hier vor sich? Sie vernahm die Schreie einer Frau, die aus dem Haus zu kommen schienen. Aber die Besitzerin war doch gar nicht hier. Dennoch erkannte sie das bleiche, von Schrecken nahezu entstellte Gesicht einer Frau hinter der Fensterscheibe.
»Sie können wir nicht erretten, aber ihn.« Mit einem dürren Finger deutete die Alte auf den Galgenbaum, sodass Vivienne nun in diese Richtung blickte. Vor dem Hintergrund des Unwetters wirkte er noch größer und bedrohlicher als sonst.
»Oh, mein Gott!« Entsetzt schlug Vivienne die Hände vor den Mund,