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Der Kuss des Greifen



Paranormaler Liebesroman mit historischem Hintergrund. Handlungsorte sind unter anderem Delphi und Cornwall im Jahre 277 vor Christus.

REZENSIONEN:



KLAPPENTEXT:

Aufgrund eines Zaubers ist der Kelte Cel tagsüber ein Greif. Nur die Hellenin Lysandra ist befähigt, ein Tor in die Unterwelt zu öffnen, wo dieser Zauber gebrochen werden kann.
Doch warum sollte sie dem Kelten Cel helfen, wo er doch zu jenen gehört, die in die Stadt einfielen, sie plünderten und ihren Großvater Leonidas töteten?
Lysandra wurde schon als Kind von ihrer Ziehmutter Nerea als Knabe verkleidet, da diese sich damit erhofft, der männlichen Herrschaft zu entkommen.
Lysandra hat ihre eigenen Gründe, warum sie trotz allem, was dagegen spricht, die gefährliche Reise ans Ende der Welt antritt, wo das Tor geöffnet werden kann.
Unterwegs verliebt sie sich in Cel. Doch erwidert er ihre Gefühle? Zudem ist sie durch einen Schwur an ihre Ziehmutter Nerea gebunden, die ihr Geheimnis wahrt, das sie zu einer Geächteten machen könnte.
Zahlreiche Gefahren, mächtige Feinde und verrückte Götter erwarten sie auf ihrem Weg.


LESEPROBE:

Delphoi im Jahre 277 vor Christus

Trete dem Tode stets lächelnd entgegen!
Die Worte des alten Spartaners Leonidas waren kein Trost für Lysandra, die auszog, um einen Drachen zu töten – oder, was wahrscheinlicher war, von diesem getötet zu werden. Blicke voll Mitleid spürte sie auf sich, als sie durch die gepflasterten Straßen Delphoís ging – dem Tod entgegen.
Menschen tuschelten und starrten unverhohlen zu ihr herüber.
Ein alter Mann schüttelte den haarlosen Kopf. »Der Junge muss dem Irrsinn verfallen sein.«
»Ist das nicht Lysandros, der Ziehsohn der Nerea? Weiß sie davon?«, fragte eine verschleierte Frau hinter vorgehaltener Hand.
Eine andere beugte sich zu dieser vor. »Noch dazu ohne Rüstung. Der kann nur des Wahnsinns sein.«
»Ihm wird keine passen, so dünn, wie er ist. Außerdem hat sie all den anderen vor ihm auch nichts genutzt …«
»Was für ein hübscher Bursche. So jung und bald schon tot. Ein Jammer!« Eine ältere Frau niederer Herkunft mit fadenscheinigem hellbeigen Gewand schüttelte ungläubig den Kopf.
Ein junger Mann lachte sie aus. »Ach, redet keinen Unsinn! Jeder weiß, dass Lysandros so furchtsam ist, dass er vor seinem eigenen Schatten flieht. Der geht nie und nimmer zur Drachenhöhle hinauf. Dies ist ein einziger Betrug!«
Lysandra versuchte die Worte der Leute zu ignorieren. Es waren allesamt Einheimische, denn vor den Fremden versuchte man, die Bedrohung durch das wiederauferstandene Ungeheuer Python geheim zu halten.
Lysandra, die seit frühester Kindheit als Junge verkleidet worden war, wollte endlich die Tat eines Mannes vollbringen, wenn sie schon niemals eine Frau sein könnte. Sie schritt vorbei an den Menschen, die auf den von Oliven- und Pinienbäumen gesäumten Steinbänken saßen. Flammen schlugen aus Feuerschalen empor und entließen feine Gespinste aus Rauch in die Höhe des Firmaments, von dem die Nachmittagssonne gleißend zu ihr herunterstrahlte.
Da sie schwitzte, teilte Lysandra mit einer Hand ihr schulterlanges dunkelbraunes Lockenhaar im Nacken. Sie durchschritt das dem zweigipfligen Berge Parnassós zugewandte Tor in der Stadtmauer von Delphoí. Steinig und gefährlich wanden sich die Straßen von Hellas durch eine nicht weniger gefährliche und unwirtliche Gegend voller karger Felsen, verdorrtem Gestrüpp und tödlichen Schluchten. Vereinzelt wuchsen Lorbeer-, Erdbeer- und jene Olivenbäume, welche das beste Öl des ganzen Landes lieferten.
Der Buchstabe Lambda befand sich auf dem Schild, den Lysandra vom alten Leonidas hatte. So trat sie paradoxerweise mit dem Schildzeichen der unbeliebten Spartaner gegen das Böse an, das Delphoís Untergang verhieß.
Allein die Verzweiflung trieb sie voran – weniger die Aussicht auf den Lohn von einhundertvierzig delphoíschen Drachmen. Sie tat es für sich selbst, wollte endlich den Hänseleien ihres Ziehbruders Damasos entkommen und den Schmähreden der anderen Männer, die sie für einen Schwächling hielten.
Lysandra trug einen Xyston, eine etwa elf attische Fuß messende Stoßlanze, wie sie auch von Fußsoldaten verwendet wurde. Sie war in etwa doppelt so lang wie Lysandra groß. Sie hoffte, damit den Panzer des Drachen durchbrechen zu können, um sein schwarzes Herz zu durchbohren. Dies, so sagten die Orakeldiener von Delphoí, sei die einzige Stelle, wo das Untier verletzbar sei. Des Weiteren trug Lysandra neben ihrem Bogen, den gewöhnlichen Pfeilen, den Brandpfeilen und ihrem Dolch einen Kopis, ein weiteres Erbstück des Spartaners Leonidas. Dabei handelte es sich um ein Kurzschwert mit vorne breiter werdender, asymmetrischer Klinge.
In der Corycischen Höhle hauste der Drache. Während sie den steinigen, gefährlichen Pfad hinaufkletterte und dem Untier immer näher kam, konnte sie nicht verhindern, dass Furcht sie befiel. Es gelang ihr, das Zittern ihrer Glieder zu unterdrücken, doch ihr Herz raste unvermindert weiter.
Einst huldigte man in der Corycischen Grotte den Musen und dem großen Gott Pan. Die Thyriaden, delphoísche Frauen im Gefolge des Dionysos, feierten alle zwei Jahre Orgien auf dem Berge. Das Fest stand in diesem Jahr noch bevor, doch solange der Drache dort hauste, konnte es natürlich nicht stattfinden. Lange würden die Delphoíer den Drachen nicht mehr geheim halten können.
Lysandra brauchte etwa zweieinhalb Stunden für den Aufstieg. In der Nähe der Höhle bemühte sie sich, so leise wie möglich zu sein, denn das Ungeheuer sollte sie möglichst spät entdecken. Sie bezweifelte ohnehin, dass es ihr gelingen würde, es zu überraschen. Gewiss besaß es ein dem der Menschen weitaus überlegenes Gehör, ganz zu schweigen vom Geruchssinn.
Nur durch eine List oder ihre Schnelligkeit würde sie es besiegen können. Lysandra lauschte, vernahm jedoch nichts als das Sausen des Windes, der über die steilen, zerklüfteten Felsen strich. Die Geckos und Smaragdeidechsen, deren Wege sie kreuzte, bewegten sich beinahe lautlos zwischen den kargen Gräsern und Flechten.
Lysandra bezweifelte, dass es sich bei dem Ungeheuer um die legendäre Schlange Python handelte, die wiederauferstanden sei. Warum sollte sie gerade jetzt zurückkehren nach so langer Zeit? Konnte man Apollon nicht vertrauen, sein Werk vollendet zu haben und stattdessen den Python versehentlich am Leben gelassen zu haben? Nein, denn würde es sich um dieselbe Kreatur handeln, so hätte sie Delphoí bereits viel früher heimgesucht oder zumindest hätte es Anzeichen ihrer Existenz gegeben. Wie sollte Lysandra außerdem eine Kreatur töten können, die so alt war wie die Zeit und unbesiegbar selbst für den Gott Apollon?
Ihr Mund war trocken. Ihre Zunge fühlte sich pelzig an. Der sichere Tod stand ihr bevor, doch zumindest wollte sie einmal ihren Mut beweisen oder lieber sterben. Sie war sich des Lebens in Feigheit überdrüssig und der Hänseleien, die am Tag zuvor eskaliert waren. Ihr Ziehbruder Damasos und seine Freunde hatten sie derart verspottet, dass sie heute noch außer sich war. Keinen Tag länger wollte sie dem Hohn der jungen Männer ausgesetzt sein. Lieber verbrannte sie im Feuer des Drachen.
Ein Stein löste sich unter Lysandras Sohlen und rollte den Berg hinab. Ihre Hände, mit denen sie die Stoßlanze umklammerte, waren feucht. Der Eingang der Grotte geriet in Sichtweite. Sie konnte ein gutes Stück hineinsehen, doch den Drachen erblickte sie nicht. Womöglich verbarg er sich tiefer in der Höhle.
Plötzlich durchdrang ein Fauchen die Luft. Lysandra erschrak, überwand jedoch sogleich die Starre und duckte sich weg, gerade rechtzeitig, bevor die riesigen Klauen der Kreatur sie zerfetzen konnten.