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Freitag, 25. November 2011

Ich muss verrückt sein,

denn ich habe vorhin sechs Verlagen abgesagt.

Doch seltsamerweise fühle ich mich befreit und wieder als Herr meines Schicksals. Warum passiv abwarten? Schließlich habe ich das ganze bereits mehrfach durchgemacht, doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu handeln.

Verschickt hatte ich die Manuskriptangebote zwischen dem 22. August und dem 1. September. Das meiste davon waren Großverlage, denn die kleinen antworten meistens schneller. Einem habe ich nicht abgesagt, der lässt einen eh vier Monate warten ohne Antwort, selbst nicht über eMail.
Nach einem viertel Jahr ist da nichts mehr zu erwarten und wenn schon, ich denke, dass ich persönlich als Indie besser fahre.


Die Nachteile von Indie:

Die Vorurteile der Verlagsautoren oder Schreibenden ohne Verlag. Von den Lesern kommt da meistens nichts. Die freuen sich eher, wenn die eBooks günstiger sind, denn der Nachteil der höheren Buchpreise, der Selbstverleger bisher behindert hat, fällt jetzt weg. Die Vorzeichen kehren sich um.
Diesen Punkt kann man also abhaken, es sei denn, man bräuchte unbedingt die Bestätigung durch einen Verlag.

Man ist für alles selbst verantwortlich. Selbst wenn alles fremd vergibt, so muss man doch beurteilen können, ob ein Cover oder Lektor gut ist. Zugleich ist das ein Vorteil.

Es ist mehr Arbeit. Stimmt nicht. Laut J. A. Konrath hatte dieser als Verlagsautor mehr Arbeit als jetzt als Indie trotz der hinzugekommenen Aufgaben.

Fehlendes Marketing. Schlechtes Argument, denn wenn man nicht gerade zu den wenigen erwählten Spitzentiteln gehört, so macht der Verlag so gut wie keine Werbung. Auch als Verlagsautor muss man sich heutzutage selbst bewerben.

Indie-Bücher verkaufen sich nicht, wenn der Autor noch unbekannt ist.
David Gaughran hat in seinem Buch "Let's go digital" über dreißig bisher unbekannte Autoren zu Wort kommen lassen, die sehr erfolgreich sind, ohne einen Trade Pub-Hintergrund zu haben.
Dem Argument entgegenzuhalten wäre zudem, dass ein Verlagsvertrag noch lange keine Garantie für Erfolg ist. Ein schlechtes Cover, ein nichtssagender Klappentext, zu hohe eBook-Preise (teilweise identisch mit denen der Printausgabe) und es verkauft sich schlecht und schon ist der Autor verbrannt für den Verlag, der garantiert kein weiteres Buch von einem herausbringen wird. Das ist ja eine meiner Hauptbefürchtungen.
Natürlich hat man als Indie auch keine Garantie, doch aufgrund der höheren Margen muss man gar nicht so viel verkaufen wie ein Verlagsautor und bekommt doch genauso viel. Da man die Preise niedriger halten kann, sind höhere Verkäufe zu erwarten - abhängig vom Genre natürlich.
Eine Erfolgsgarantie gibt es für keinen der beiden Möglichkeiten, die sich gegenseitig nicht
ausschließen. Jeder muss seinen eigenen Weg finden.

Das Genre ist ein hoher Indikator für den möglichen Erfolg. Zudem muss man mindestens genauso gut schreiben wie die Verlagsautoren, vorzugsweise sogar besser, und es gut zu präsentieren wissen.


Zudem passiert es vielen Verlagsautoren immer wieder, dass ihre Manuskripte nicht angenommen werden. Es geht also mit den Absagen immer weiter. Siehe Laura Resnick aus meinem früheren Post: http://justine-morgan.blogspot.com/2011/07/rejection-romance-royalties.html

Zitat: "Laura Resnick etwa konnte bereits die ersten beiden Romane, die sie geschrieben hat, bei einem Verlag unterbringen. Doch vier der nächsten sechs eingereichten Manuskripte wurden abgelehnt. Zusätzlich wurden zwischen ihrem zehnten und elften veröffentlichtem Buch vier ihrer Manuskriptangebote hintereinander abgelehnt. Für einen Autoren, der nur zwei Manuskripte im Jahr schafft, bedeutet dies meist eine Katastrophe."

Der Hauptgrund für meine Entscheidung jedoch war die aktuelle Entwicklung in den USA. Die Verkaufszahlen sämtlicher Printausgaben ist im freien Fall, wird jedoch durch die E-Book-Verkäufe der Bix Six nicht ausgeglichen, obwohl Amazon im Mai 2011 verkündete, dass E-Books bei ihnen inzwischen 50% aller Verkaufsformate von Büchern ausmachen!
Sprich: Die amerikanischen Großverlage verlieren deutlich Verkäufe an die Indie-Autoren.
Infos und konkrete Zahlen:
http://davidgaughran.wordpress.com/2011/11/02/warning-signs-for-large-publishers-in-august-aap-figures/
Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten und wird sich nach Deutschland ausbreiten.
Gerade für neue Verlagsautoren könnte diese Entwicklung katastrophal sein.

Beschließen werde ich diesen Post mit einem Zitat von Barry Eisler:

"Publishing is a business, not an ideology."

"Verlegen ist ein Geschäft, keine Ideologie. "